Medienmitteilung vom 7. Juli 2022

Medienmitteilung vom 7. Juli 2022

Ein eben publizierter Forschungsbericht des Kantons St. Gallen bringt eine schockierende Gewissheit ans Licht: 85 der total 85 untersuchten Adoptionsdossiers enthalten gravierende Verfahrensfehler der kantonalen und kommunalen Behörden des Kantons St. Gallen.

2020 erteilte der Kanton St. Gallen als Reaktion auf den ZHAW-Bericht zu den Adoptionen aus Sri Lanka von 1973 – 2002 der Universität Bern den Auftrag, die gesamten Dossiers der adoptierten Personen aus Sri Lanka im Kanton zu untersuchen. Die Historikerinnen Francesca Falk und Danielle Berthet prüften die Unterlagen auf die Einhaltung der rechtlichen Grundlagen.

Eindeutige Resultate
Der jetzt veröffentlichte Bericht ist deutlich, denn in keinem Verfahren wurden die rechtlichen Grundlagen respektiert. Dies ist bereits der dritte Bericht für den Kanton St. Gallen. Die Verfahrensfehler der kantonalen und kommunalen Behörden hatten System. An über der Hälfte dieser untersuchten Adoptionen war Alice Honegger beteiligt.

Die Folgen für adoptierte Personen sind gravierend
“Meine Unterlagen enthalten die Identitäten von zwei Kindern. Welches dieser beiden Kinder bin nun ich? Diese Frage kann mir bis heute niemand beantworten.“ (Zitat: S.J.)
Die Angaben in den Akten wurden konsequent gefälscht. Für adoptierte Personen hat dies zur Folge, dass wichtige Informationen fehlen, die für das Verstehen ihrer Adoptionsbiografie und Entwicklung ihrer Identität nötig wären. Zudem ist es aufgrund der falschen Papiere in den meisten Fällen unmöglich, eine Wiedervereinigung mit den biologischen Familien zu erreichen.

Forderungen von Back to the Roots
Back to the Roots begrüsst die Bereitschaft der Regierung des Kantons St. Gallen, die adoptierten Personen auf ihrem Weg zu unterstützen. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass der Kanton konkrete und wirkungsvolle Massnahmen gemeinsam ausarbeiten wird. Die Anerkennung der Verantwortung ist ein erster Schritt in Richtung Wiedergutmachung und stärkt die adoptierten Personen sich auf ihrem Weg, mit ihrer eigenen Adoptionsgeschichte nachhaltig auseinanderzusetzen.

Dem Kanton St. Gallen kommt im gesamten Kontext ein speziell hohes Mass an Verantwortung zu. Die Vermittlerin Alice Honegger stand unter Aufsicht des Kantons und die illegalen Verfahren wurden von den Behörden toleriert. Deshalb fordert Back to the Roots langfristige finanzielle Unterstützung, um die adoptierten Personen auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen zu ihrem Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung zu verhelfen.

Es braucht dringend eine gesamtschweizerische Aufarbeitung aller Adoptionen sowie eine national einheitliche Koordinationsstelle zur Herkunftssuche.

Link zum Bericht

Du bist eine adoptierte Person aus Sri Lanka und möchtest dich mit deiner Herkunft auseinandersetzen?
Hier kannst du dich für eine Kontaktaufnahme bei unserem Team melden: info@backtotheroots.net

 

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