Jahresbericht 2018/2019

Jahresbericht 2018/2019

Recht auf Identität

Für alle Menschen ist die eigene Identität Ausgangspunkt und Grundstein für eine gesunde Entwicklung. Identität gründet auf der Kenntnis über die eigene Herkunft, Familie, Kultur und unserer individuellen Geschichte. Wenn wir Adoptierte uns die Frage nach unserer Identität stellen, müssen wir einen langen Weg zu unseren Wurzeln zurücklegen. Wir wagen uns auf eine unsichere Reise in die Vergangenheit. Einmal auf dem Weg, ist nichts mehr wie vorher.

Vor drei Jahren bin ich auf die Suche nach meiner Herkunft gegangen. Ich habe begonnen, die erforderlichen Dokumente zusammen zu tragen und bin damit nach Sri Lanka gereist. Meine leiblichen Verwandten habe ich nicht gefunden, weil meine Adoptionsunterlagen sich als Fälschung herausgestellt haben. Was bleibt, ist die Hoffnung und die Sehnsucht nach meiner Familie.

Im Austausch mit den anderen Adoptierten von Back to the Roots erreichen mich ähnliche Geschichten. Die Betroffenen sind sehr verunsichert. Statt auf Antworten zu treffen, tun sich existentielle Fragen auf: Wieso habe ich in meinen Adoptionsunterlagen zwei verschiedene Geburtsnamen? In meinem Adoptionsdossier fehlen zentrale Dokumente. Wurde das Adoptionsverfahren überhaupt sorgfältig durchgeführt? Wie gehe ich damit um, wenn die Abklärungen vor Ort in Sri Lanka ergeben, dass die Geschichte meiner Adoption erfunden ist? Auf was baue ich nun meine Identität?

Diese Fragen ziehen einem den Boden unter den Füssen weg. Selbst ein stabiles familiäres Umfeld und gute Freunde können oftmals diesen Schmerz nicht auffangen. Die vielen Anfragen bei Back to the Roots zeigen, dass Betroffene in dieser Situation alleine dastehen. Wir Adoptierten brauchen jemanden, der unabhängig ist, unsere Situation versteht und nichts zu rechtfertigen braucht. Wir brauchen Unterstützung von Fachpersonen, die mit uns dafür kämpfen, dass unser Recht auf Identität gewährt wird und wir einen Bezug zu unseren Wurzeln in Sri Lanka aufbauen können.

Seit dem revidierten Adoptionsrecht von 2018 besteht ein gesetzlicher Anspruch, die Identität der leiblichen Familie zu kennen. Die Behörden stehen damit in der Pflicht, unsere Familien ausfindig zu machen. Dabei denke ich nicht nur an adoptierte Personen, sondern auch an Menschen, die mit Samenspenden oder Leihmutterschaft entstanden sind.

Es ist endlich an der Zeit, dass die Gesetze im Sinne der Betroffenen umgesetzt werden. Der Bundesrat hat sich an die Arbeit gemacht und wird bis Ende 2020 seinen Bericht zum Postulat Ruiz fertigstellen. Zusammen mit dem Team von Back to the Roots setze ich mich persönlich dafür ein, dass der Bericht griffige Massnahmen formuliert, welche uns Adoptierten konkret unterstützen. Die Behörden haben signalisiert, dass sie unsere Anliegen ernst nehmen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Bund und den Kantonen und danke allen, die uns dabei unterstützen!

Sarah Ramani INEICHEN
Präsidentin
Back to the Roots

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